Was ist Web 2.0

Alles was Sie über Web2.0 wissen sollten in einem kurzen Überblick

Der Begriff Web 2.0 ist mittlerweile überall zu hören, überall present und wird viel diskutiert. Dennoch weiß nicht jeder wirklich etwas damit anzufangen oder haben den Begriff einfach nur mal gehört ohne die Bedeutung zu erfahren. Auch ich habe in der letzten Zeit immer öfters den Begriff erläutert und versucht zu erklären. Obwohl schon einige niedergeschrieben Artikel zu diesem Thema bestehen hat doch jeder eine kleinen Unterschied im Verständnis von Web 2.0 und aus diesem Grund schreibe ich hier wie ich Web 2.0 verstehe und sehe.

Ursprung

Wenn nach dem Begriff “Web 2.0″ gesucht wird so stößt man schnell auf die Seite von Tim O’Reilly mit seinem Artikel “What is Web 2.0“. So wie Jesse James Garret von adaptive path den Begriff “Ajax” mit seinem Artikel “A New Approach to Web Applications” prägte und dokumentierte, so hat Tim O’Reilly mit seinem Artikel “What is Web 2.0” den Begriff Web 2.0 geprägt und dokumentiert.

Tim O’Reilly beschreibt sieben Prinzipien des Web 2.0 die im folgenden aufgelistet sind, wobei ich versuche die Grundaussagen in ein oder zwei Sätzen wiederzugeben:

  1. The Web as Platform
    • Das Web/Internet ist mittlerweile allgegenwärtig. Jeder kennt es und jeder nutzt es und das nicht nur über den Browser sondern über viele Dienste und Praktiken (siehe auch die Grafik über die Prinzipien und Praktiken von Web 2.0).
  2. Harnessing Collective Intelligence
    • Verlinkungen der Daten und Seiten im Web untereinander. Dem Wissen einen Rahmen geben. Nicht umsonst ist Yahoo! mit seiner Linkliste die erste Erfolgsstory im Internet. Ein Beispiel aus aktuellen Zeiten ist die Platform Wikipedia, auf der ein beliebiger User Wissen niederschreiben darf und ein anderer beliebiger User diesen Artikel ändern darf.
  3. Data is the next Intel Inside
    • Die hinter den Web Anwendungen gesammelten Daten sind die Basis einer Web Anwendung. Eine große Menge von Daten wird durch eine Anwendung der Masse preisgegeben.
  4. End of the Software Release Cycle
    • Software wird nicht mehr als Produkt ausgeliefert sondern als Service. Ein Produkt aktuell zu halten ist wesentlich schwieriger als einen Service. Bei einem Service wir im günstigsten Fall noch nicht einmal bemerkt, dass ein Update eingespielt wurde.
  5. Lightweight Programming Models
    • Um Daten und Services der breiten Menge bereit zu stellen werden “Lightweight Programming Models” implementiert. Das heißt, dass die Daten sehr einfach über eine HTTP (XML über HTTP) oder Web-Service Schnittstelle bereitgestellt werden.
  6. Software Above the Level of Single Device
    • Nicht nur der PC ist als Endgerät geeignet sondern auch Mobile oder sonstige Geräte.
  7. Rich User Experience
    • In Web Anwendung werden “Rich User Interfaces” und eine Interaktion mit dem Server implementiert wie sie bisher nur in Fat-Clients vorhanden sind. Eine Schlüsselkomponente dabei ist Ajax. Populär wurde dieses Vorgehen durch Google Mail und Google Maps.

Der Artikel beschreibt diese sieben Prinzipien sehr ausführlich und mit einigen Beispielen. Allerdings ist es dennoch recht komplex den Begriff “Web 2.0″ zu verstehen und so schreibt Tim O’Reilly in seinem Blog noch einmal folgende Definition, die meiner Meinung nach Web 2.0 gut beschreibt.

Web 2.0 is the network as platform, spanning all connected devices; Web 2.0 applications are those that make the most of the intrinsic advantages of that platform: delivering software as a continually-updated service that gets better the more people use it, consuming and remixing data from multiple sources, including individual users, while providing their own data and services in a form that allows remixing by others, creating network effects through an "architecture of participation," and going beyond the page metaphor of Web 1.0 to deliver rich user experiences. – Tim O'Reilly

Um dieses Zitat oder die Frage “Was ist Web 2.0″ verständlich zu machen hat der aperto-blog eine Grafik im Web 2.0 Stil der Tags erstellt.

Auf der dem dazugehörigen Blog Artikel des aperto-blogs findet sich auch das englische original Bild, was mir noch ein wenig besser gefällt aber nachdem das Zitat schon in Englisch ist sollte doch das Bild in Deutsch dargestellt werden.

Tagging

Da nun schon die Tags angesprochen wurden können Tags auch gleich erläutert werden. In Web 2.0 Anwendung kategorisiert man nicht mehr einfach nur in Ordnern oder Strukturen sondern man “Tagged” einen Link, Bild, Sammlung oder Artikel. Wer mehr im Zusammenhang mit vernünftigem “Tagging” wissen möchte der sei auf den Artikel “Sinnvolles Tagging” von Blog Age verwiesen.

Die wohl mit populärste Web Anwendung, bei der Tagging ein Hauptbestandteil der Anwendung ist, ist del.icio.us. Wer del.icio.us noch nicht kennt: Es ist on online Bookmark-Manager bei dem zu jedem Bookmark Tags, die den Inhalt des Bookmarks beschreiben, vergeben werden. Das folgende Bild zeigt einen Ausschnitt der am meißten verwendeten Tags bei del.icio.us und die typische Darstellung.

Dieses allein ist allerdings noch keine Besonderheit denn online Bookmark Manager gibt es viele. Interessant wird das ganze, weil aus del.icio.us eine “Social Software” gemacht wurde. Man kann sehen wie viele User den Bookmark auch noch gebookmarkt haben oder welche Bookmarks unter bestimmten Tags von anderen Usern gesammelt wurden. Im kurzen: Die Anwendung ist nicht für einen einzelnen User allein abgeschottet sondern verbindet miteinander.

Mein Verständnis von Web 2.0

Mein Verständnis von Web 2.0 ist im Prinzip das oben in der Definition von Tim O’Reilly beschriebene der sieben Prinzipien nur, dass ich persönlich zwei Prinzipien als hervorgehoben sehe:

  • Intelligentes Web unter der Beteiligung eines jeden einzelnen
  • Rich Interactive User Interfaces

Intelligentes Web unter der Beteiligung eines jeden einzelnen

Zum einen ist der Unterschied zu herkömmlichen Web Anwendungen, das jeder User sein Wissen, seine Ideen sein Content in eine bestimmte Web Anwendung einbringt und mit anderen Usern teilt. Die gesamte Web Anwendung besteht im Grunde aus dem gesammelten Wissen, der Kommunikation untereinander und der Vernetzung zwischen dem Ganzen. Dieses Wissen noch untereinander verlinkt oder mit anderen Datenquellen verfeinert ergibt das Ganze. Bekannte Beispiele für solche Anwendungen sind:

  • del.icio.us: “Eine Bookmark-Sammlung – von dir und von jedem anderen.”
  • flickr: “Die beste Möglichkeit deine Fotos zu speichern, suchen, sortieren und verteilen.”
  • YouTube: “Freier online Video Streaming Service, der Usern erlaub Videos die Mitglieder hochgeladen haben anzusehen und zu verteilen.”
  • YiGG: “YiGG kombiniert soziales Bookmarking, Blogs sowie RSS und besticht durch eine nicht-hierarchische Nachrichtenverteilung.” – Ein deutschsprachiger Klon von digg.com.

Solche Anwendungen werden sind auch unter dem Begriff “Social Software” genannt, denn es geht nun nicht mehr einfach nur darum jeden einzelnen User ein Tool zu bieten sondern vielmehr darum, dass der einzelne User sein Wissen teilt, seine Kontakte zu anderen Usern aufbaut und sich mit Ihnen austauscht. Beispiele für “Social Software” sind:

  • openBC: “Networking und Geschäftskontakte erstellen”
  • Lokalisten: “Wer kennt wen und woher kenne ich den?”
  • QYPE: “Der ideale Ort um die besten Adressen, Dienstleister und Treffpunkte einer Stadt zu finden, zu empfehlen und andere Menschen zu treffen”

Rich Interactive User Interfaces

Einer der meiner Meinung nach wichtigsten Punkte ist der Punkt “Rich Interactive User Interfaces”. Das Web ist nicht mehr nur mit einfaches HTML mit einer einfachen Informationsseite sondern es entstehen Anwendungen die normalen Fat-Clients um nichts nachstehen. So werden zum Beispiel Drag und Drop im Zusammenspiel mit der dynamischen Interaktion zum Server auf Webseiten normal. Man siehe zum Beispiel in dem Bericht “Excel kann gelöscht werden” und zudem habe ein kleines Einstiegstutorial über die Drag und Drop Komponente der Yahoo! User Interface Library erstellt (Man siehe auch in der Kategorie “Beispiele“). Schöne Beispiele für Rich Interactive User Interfaces sind:

  • Zoho Writer: “Online Word Processor”
  • Kiko: “A new kind of Online Calendar” – Online Kalender
  • Pageflakes: “Deine personalisierte Startseite im Web”

Wenn also die beiden Punkte – Intelligentes Web unter der Beteiligung eines jeden einzelnen und interaktive Oberflächen die den Fat Clients um nichts nachstehen aber dennoch ohne weitere Installation, also somit im Browser, laufen – im einzelnen für sich oder beide zusammen in einer Web Anwendung auftreten so kann man von Web 2.0 sprechen. Die sieben Prinzipien von Tim O’Reilly verfeinern die Beschreibung dazu noch.

Eine zum Thema ganz passende Grafik zur “Web 2.0 Architektur” hat Dion Hinchcliffe in dem Artikel “The state of Web 2.0” erstellt:

Der letzte Begriff der hier noch auftaucht und kurz erläutert werden soll ist der Begriff “Mashup“. Ein “Mashup” ist eine Seite die sich aus mehren schon vorhandenen Teilen anderer Webseiten zusammen setzt. Beliebt ist zum Beispiel das Einbinden von Google Maps wie es zum Beispiel LaufRausch oder das erst vor kurzem hier vorgestellte Geo IP Tool implementiert hat.

Ich hoffe doch, dass nun Web 2.0 und die dazugehörenden Begriffe zu mindestens Ansatzweise erläutert und verdeutlicht wurden. Falls der ein oder andere eine die hier niedergeschriebene Meinung nicht teilt oder ein anderes Verständnis von Web 2.0 hat so steht ihm natürlich frei seine Meinung hier publik zu machen.


Quelle: webthreads.de – Web 2.0, Ajax, Web Entwicklung und einiges drum herum von Markus Kühle